Komodo ist ein Strömungsziel, und alles andere folgt daraus. Der Nationalpark liegt zwischen Sumbawa und Flores, wo sich der Wasseraustausch zwischen Floressee und Savusee durch enge Straßen zwängt. Das ernährt die Riffe, und es entscheidet darüber, welcher Tauchplatz an welchem Tag überhaupt geht. Ausgangspunkt ist fast immer Labuan Bajo auf Flores.
Was unterscheidet den Nord- und den Südteil des Parks?
Die Wassertemperatur, und zwar deutlich. Im Norden liegt sie meist bei 27 bis 29 °C, im Süden durch Auftriebswasser oft nur bei 20 bis 24 °C, im Hochsommer auch darunter. Das ist derselbe Nationalpark, rund 50 Kilometer Luftlinie auseinander.
Teil | Typische Tauchplätze | Wasser | Charakter |
|---|---|---|---|
Norden | Castle Rock, Crystal Rock, Batu Bolong, The Cauldron | 27 bis 29 °C | klar, hart, Schwärme, starke Strömung |
Mitte | Karang Makassar, Tatawa Besar, Siaba Besar | 26 bis 29 °C | Mantas, Drifttauchgänge über Sand |
Süden | Cannibal Rock, Yellow Wall, Nusa Kode, Manta Alley | 20 bis 24 °C | kalt, trüb, extrem artenreich, Makro |
Für den Süden packst du einen 5-Millimeter-Anzug mit Haube ein, besser noch eine wärmende Weste dazu, auch wenn im Prospekt Indonesien steht. Bei vier Tauchgängen am Tag kühlst du über die Woche aus, nicht über den einzelnen Tauchgang. Der Süden ist außerdem trüber als der Norden, weil genau das Plankton im Wasser steht, das die Artenvielfalt dort erzeugt.
Batu Bolong ist der Tauchplatz, an dem sich beide Seiten des Parks am ehesten treffen: ein einzelner Felsen mitten in der Strömung, dessen geschützte Seite über die gesamte Tauchtiefe dicht bewachsen ist. Getaucht wird nur auf der Leeseite, und die wechselt mit der Tide. Bleib flach und geh nicht um die Ecke: An beiden Enden kippt das Wasser ab, und der Fels fällt weit unter jede sinnvolle Tiefe. Trotz kurzer Anfahrt ist das kein Platz für den zehnten Tauchgang.
Wie stark ist die Strömung wirklich?
Stark genug, dass sie bestimmt, wie du den Tauchgang planst, und nicht bloß ein Hinweis am Rand ist. Vier Dinge unterscheiden Komodo von den meisten anderen Zielen in Südostasien.
Der Einstieg ist meist ein Negativeinstieg. Automat im Mund, Maske auf, Jacket komplett leer, rückwärts rollen und sofort absinken, weil dich sonst die Strömung vom Riff wegträgt, bevor du unten bist. Gleich dabei von der Oberfläche an durchgehend Druck ausgleichen und nicht erst, wenn es drückt, denn in den ersten 30 Sekunden fällst du acht bis zwölf Meter. Eingestiegen wird auf ein Zeichen, alle gleichzeitig. Wer zwei Sekunden nachzieht, findet die Gruppe unten nicht mehr.
Ein Riffhaken ist an Castle Rock und Crystal Rock üblich, aber nicht überall gern gesehen. Frag deine Tauchbasis vorher, manche untersagen ihn aus Riffschutzgründen. Eingehakt wird ausschließlich in totem Fels, nie in lebende Koralle, und der Haken muss sich mit einer Hand sofort lösen lassen. Ohne Haken bleibst du in der Abdeckung hinter der Struktur oder du lässt los und driftest ab, und der Tauchguide holt die Gruppe vom Fels. Gegen die Strömung anzuflossen ist in Komodo keine Option.
Abwärtsströmungen sind real. Die erste Reaktion ist horizontal: raus aus der Kante, quer zur Strömung, notfalls dicht ans Riff und daran entlang. Pump nicht reflexartig das Jacket voll, denn wenn du frei kommst, reißt dich die Luft nach oben. Brauchst du trotzdem Luft, um den Abstieg zu bremsen, halte den Finger am Ablass und lass sofort ab, sobald du steigst. Genauso häufig kippt das Wasser nach oben, und ein unkontrollierter Aufstieg aus 25 Metern ist das größere Problem als jede verpasste Schule Füsiliere. Das gehört ins Briefing, und wenn ein Tauchguide es nicht bespricht, weißt du genug über die Basis.
Getaucht wird um die Stauwasserfenster herum. Deshalb steht der Plan am Morgen und nicht am Vorabend fest, und ein Tauchplatz, der gestern lief, fällt heute aus. Genau daran erkennst du den seriösen Anbieter, und genau deshalb baust du einen Plan nicht selbst um.
Praktisch heißt das für die Voraussetzungen: Die meisten Basen verlangen Advanced Open Water und rund 30 bis 50 geloggte Tauchgänge für die Strömungsplätze. Eine Signalboje mit Spule braucht jeder Taucher, nicht nur der Tauchguide, und du musst sie aus dem Sicherheitsstopp heraus setzen können, nicht erst an der Oberfläche. Dazu Pfeife und Spiegel. Bist du frisch zertifiziert, tauchst du die ruhigeren Plätze wie Siaba Besar oder bei moderater Tide Tatawa Besar und lässt Castle Rock aus, statt dich durchwinken zu lassen.
Wann kommen die Mantas?
Riffmantas stehen ganzjährig an Karang Makassar, einem langen Sandrücken in der Lintahstraße zwischen Komodo und Rinca, den alle nur Manta Point nennen. Getaucht wird dort als Drifttauchgang über den Sand, während die Tiere über den Putzerstationen kreisen. Die höchste Dichte wird üblicherweise zwischen Dezember und Februar gemeldet, wenn mehr Plankton im Wasser steht.
Für den Umgang mit den Tieren gilt dasselbe wie an jedem stark befahrenen Mantaplatz: nicht über die Mantas tauchen, nicht auf sie zuschwimmen, die Putzerstationen nicht blockieren und Abstand halten. Ein Manta, der abdreht, kommt an diesem Tag nicht zurück.
Im Süden gibt es mit Manta Alley einen zweiten Tauchplatz, der weniger befahren ist. Er liegt allerdings so weit im Süden des Parks, dass ihn Tagesboote nicht erreichen.
Wann ist die beste Reisezeit?
Zeitraum | Norden | Mitte | Süden | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
März bis Mai | sehr gut | sehr gut | gut, ruhigere See | eines der beiden besten Fenster |
Juni bis August | gut, mehr Wind | gut | rau und kalt | Südostmonsun, Süden oft nicht machbar |
September bis November | sehr gut | sehr gut | gut, für den Süden vergleichsweise klar | das zweite gute Fenster |
Dezember bis Februar | wechselhaft, Regen | Mantadichte am höchsten | machbar im Windschatten, aber trüb | Nordwestmonsun, wenige Schiffe vor Ort |
Der Großteil der Flotte fährt Komodo etwa von April bis Oktober und wechselt danach nach Raja Ampat, einzelne Anbieter bleiben ganzjährig in Labuan Bajo. In den beiden Übergangsfenstern im Frühjahr und Herbst lässt sich der Süden am ehesten in eine Route einbauen, weil die See dann ruhig genug ist. Zwischen Juni und August drückt der Südostmonsun auf die Südseite, und viele Routen bleiben im Norden. Von Dezember bis Februar weht der Nordwestmonsun auf die Nordseite, der Süden liegt dann im Windschatten, ist aber regnerisch und trüb.
Wer gezielt wegen der Mantas fährt, sucht sich einen Anbieter, der ganzjährig vor Ort bleibt, und nimmt dafür mehr Regentage in Kauf.
Was siehst du unter Wasser?
Große Fische und dichten Bewuchs, in einer Kombination, die es in Indonesien so nur an wenigen Stellen gibt.
An Castle Rock und Crystal Rock stehen Graue Riffhaie in der Strömung, dazu Weißspitzen-Riffhaie über dem Riffdach und Schwärme von Füsilieren, die in Wellen über die Kuppe ziehen. In der Strömungskante jagen Große Barrakudas und Blauflossen-Stachelmakrelen, die im gesamten Indopazifik vorkommen und hier in Gruppen auftreten. Büffelkopf-Papageifische kommen im Trupp über das Riffdach, und an mehreren Plätzen im Norden ziehen morgens Adlerrochen vorbei.
Der Süden liefert ein anderes Programm. Cannibal Rock und die Wände von Nusa Kode sind so dicht mit Weichkorallen und Haarsternen bewachsen, dass kaum Fels sichtbar bleibt, und dazwischen sitzen Anglerfische, Zwergseepferdchen und Nacktschnecken. Fotografierst du, planst du den Süden gezielt ein und rechnest mit kaltem Wasser und Sicht um zehn Meter.
Über Wasser gehören die Warane dazu, nach denen der Park benannt ist. Landgänge auf Komodo und Rinca laufen nur mit einem Ranger, und die meisten Tauchsafaris bauen einen Stopp in die Route ein.
Tagesboot oder Tauchsafari?
Beides funktioniert, erschließt aber unterschiedliche Teile des Parks.
Tagesboot ab Labuan Bajo: erreicht den Norden und die Mitte, also Batu Bolong, Karang Makassar, Tatawa, Siaba Besar und mit schnellen Booten auch Castle Rock. Anfahrt je nach Platz eine bis zweieinhalb Stunden. Du schläfst an Land, was bei begrenztem Budget und kurzer Reise die praktischere Lösung ist.
Tauchsafari: erreicht zusätzlich den Süden und die abgelegenen Plätze und spart die tägliche Anfahrt. Für Cannibal Rock, Nusa Kode und Manta Alley gibt es keine sinnvolle Alternative.
Eine Kombination aus beidem ist verbreitet: ein paar Tage ab Land zum Eintauchen, danach eine kürzere Tauchsafari nach Süden. Plan zwischen dem letzten Tauchgang und dem Flug mindestens 18 Stunden ein, nach mehreren Tagen mit Wiederholungstauchgängen besser 24. Tauchsafaris enden deshalb üblicherweise einen Tag vor dem Abflug.
Zur Sicherheit gehört noch ein Punkt, den Prospekte auslassen: Die Südrouten liegen stundenlang von jeder Straße entfernt. Eine Tauchunfallversicherung mit Evakuierungsdeckung gehört zur Buchung, und ernste Fälle werden nach Bali ausgeflogen, was Zeit kostet. Frag deinen Anbieter nach Sauerstoffvorrat an Bord, Notfallplan und Satellitenkommunikation.
Wenn du Komodo an eine Reise über Bali anhängst, fliegst du üblicherweise ab Denpasar nach Labuan Bajo, gut eine bis eineinhalb Stunden. Wie sich Komodo in das restliche Angebot des Landes einordnet, steht im Überblick zum Tauchen in Indonesien, und die einzelnen Tauchplätze beschreibt der Komodo-Nationalpark-Guide.
Was kostet Tauchen in Komodo?
Grobe Spannen, ohne internationalen Flug:
Posten | Grobe Spanne |
|---|---|
Tagesausfahrt mit drei Tauchgängen ab Labuan Bajo | ~130 bis 200 € |
Tauchsafari, vier bis fünf Tage | ~1.000 bis 1.900 € |
Tauchsafari, acht Tage mit Südroute | ~1.900 bis 3.200 € |
Flug Denpasar nach Labuan Bajo, einfach | ~50 bis 130 € |
Unterkunft pro Nacht in Labuan Bajo | ~30 bis 150 € |
Dazu kommt die Nationalparkgebühr, die pro Tag im Park anfällt. Seit der Tarifänderung Ende Oktober 2024 zahlen ausländische Besucher einen pauschalen Tagessatz von 250.000 Rupiah, unabhängig vom Wochentag; die frühere Staffelung mit Aufschlag an Sonn- und Feiertagen gilt nur noch für indonesische Besucher. Über eine Woche summiert sich das auf einen mittleren zweistelligen Eurobetrag pro Person. Die Sätze wurden mehrfach angepasst: Ein für August 2022 angekündigter Aufschlag von 3,75 Millionen Rupiah pro Person wurde nach Streiks der örtlichen Anbieter zunächst verschoben und Anfang 2023 ganz zurückgenommen. Weitere Änderungen sind jederzeit möglich, frag deshalb nach, ob die Parkgebühr im angebotenen Preis enthalten ist.
Nitrox lohnt sich hier, weil du drei bis vier Tauchgänge am Tag machst und die Nullzeit an den 25 bis 30 Meter tiefen Strömungsplätzen sonst der begrenzende Faktor ist. Achte dabei auf die maximale Einsatztiefe: Mit EAN32 bist du bei einem Sauerstoffpartialdruck von 1,4 bar bei rund 33 Metern am Limit, mit EAN36 schon bei rund 29. Für tiefere Tauchgänge ist Nitrox das falsche Werkzeug.
Häufige Fragen
Brauchst du für Komodo Advanced Open Water? Für die Strömungsplätze im Norden verlangen die meisten Basen es zusammen mit rund 30 bis 50 geloggten Tauchgängen. Ruhigere Plätze wie Siaba Besar oder Tatawa Besar gehen ab Open Water.
Wie kalt wird das Wasser im Süden des Parks? Meist 20 bis 24 °C, im Hochsommer auch darunter. Ein 5-Millimeter-Anzug mit Haube ist dort die Untergrenze, auch wenn im Norden desselben Parks 28 Grad Celsius herrschen.
Wann siehst du in Komodo Mantas? Ganzjährig an Karang Makassar, mit der höchsten Dichte üblicherweise zwischen Dezember und Februar. Das fällt in die Regenzeit, in der weniger Schiffe vor Ort sind.
Reicht ein Tagesboot, oder brauchst du eine Tauchsafari? Für den Norden und die Mitte reicht ein Tagesboot ab Labuan Bajo. Für den Süden mit Cannibal Rock und Nusa Kode brauchst du eine Tauchsafari, dort kommt kein Tagesboot hin.
Ist ein Riffhaken Pflicht? Nein, und nicht jede Basis erlaubt ihn. Üblich ist er an Castle Rock und Crystal Rock, eingehakt wird nur in totem Fels. Frag vorher nach, viele Basen verleihen welche.



