Im Roten Meer tauchst du das ganze Jahr über, und die Saison teilt sich klar auf: Juni bis August bringt warmes Wasser und die Hammerhai-Schwärme an den Südriffen, Oktober bis Dezember die Hochseehaie. Die Wracks im Norden und die freistehenden Riffe im Süden verlangen unterschiedlich viel Erfahrung, und beides in einer Woche geht nur per Tauchsafari.
Wann ist die beste Reisezeit für das Rote Meer?
Kommt darauf an, was du sehen willst. Anders als tropische Ziele mit einer klaren Regenzeit hat das Rote Meer keine Saison, in der Tauchen ausfällt.
Zeitraum | Wasser (typisch) | Bedingungen | Lohnt sich für |
|---|---|---|---|
Juni bis August | 26 bis 30 °C | ruhige See, wenig Wind, sehr heiß an Land | Hammerhai-Schwärme an Daedalus und den Brothers |
September bis Dezember | 24 bis 28 °C | wechselnder Wind, klares Wasser | Hochseehaie (Longimanus) an Elphinstone |
Januar bis März | 21 bis 24 °C | kühlste Zeit, mehr Wellen | Wracks im Norden, wenig Betrieb |
April bis Mai | 23 bis 26 °C | beruhigt sich zunehmend | solide Allroundbedingungen, moderate Preise |
Während der Wintermonate brauchst du mehr Neopren, als die meisten erwarten. Bei 21 bis 22 Grad Celsius und vier Tauchgängen am Tag ist ein 5-mm-Anzug mit Kopfhaube keine Übertreibung. Über eine ganze Woche kühlst du sonst aus, auch wenn sich der einzelne Tauchgang angenehm anfühlt.
Welche Tauchplätze im Roten Meer lohnen sich?
Das Rote Meer teilt sich grob in drei Reviere. Im Norden liegen die Wracks und Riffe rund um Sharm el-Sheikh, in der Mitte ab Hurghada und Marsa Alam die küstennahen Riffe und die ersten Außenriffe, und ganz im Süden die abgelegenen freistehenden Riffe, die nur per Boot erreichbar sind.
Tauchplatz | Tiefe | Niveau | Bekannt für |
|---|---|---|---|
Marsa Abu Dabbab | bis 20 m | Anfänger | Dugongs und Grüne Meeresschildkröten |
Careless Reef | bis 40 m | Fortgeschrittene | Muränen, Riffhaie, Kuppen im Freiwasser |
Ras Mohammed | bis 40 m (die Wand fällt weit tiefer ab) | Fortgeschrittene | Fischschwärme im Sommer, Steilwände |
SS Thistlegorm | bis 30 m | Erfahrene | 1941 gesunkener Frachter mit Ladung an Bord |
Shark and Yolanda Reef | bis 40 m | Erfahrene | Strömungskante, Ladung der Yolanda |
Elphinstone Reef | bis 40 m | Erfahrene | Plateaus, Hochseehaie im Herbst |
Daedalus Reef | bis 40 m | Erfahrene | Hammerhai-Schwärme im Sommer |
Big Brother Island | bis 40 m | Erfahrene | zwei Wracks an einer Steilwand |
Die SS Thistlegorm zieht die meisten überhaupt erst ins Rote Meer. Der britische Frachter wurde 1941 bombardiert und liegt auf rund 30 Metern, mit Motorrädern und Lastwagen noch in den Laderäumen. Entspannt ist ein Tauchgang dort trotzdem nicht: Strömung an der Oberfläche und am Wrack, begrenzte Grundzeit in dieser Tiefe und im Inneren enge Durchgänge ohne direkten Weg nach draußen.
Ras Mohammed am Südzipfel des Sinai fällt weit über 90 Meter ab, die eigentlichen Tauchgänge spielen sich aber in den oberen 30 Metern der Wand ab. Im Juli und August sammeln sich dort Schwärme von Schnappern und Barrakudas zum Laichen. Das gehört zu den wenigen Ereignissen im Roten Meer, die sich halbwegs zuverlässig planen lassen.
Zum Blue Hole bei Dahab gehört eine deutliche Warnung. Der Tauchplatz fällt auf über 100 Meter ab, und der berühmte Bogen zum offenen Meer liegt in rund 55 Metern Tiefe. Dort sind die meisten Todesfälle passiert, und der Grund ist fast immer derselbe: Tiefenrausch und Gasplanung passen auf Luft in dieser Tiefe nicht zusammen. Ohne technische Ausbildung und passendes Gasgemisch bleibst du innerhalb des Blue Hole auf maximal 30 Metern oder tauchst die Wand von den Bells aus an. Den Bogen gar nicht.
Was siehst du im Roten Meer?
Riffbewohner findest du ganzjährig in hoher Dichte, Großfisch dagegen nur saisonal und an bestimmten Riffen.
Die Außenriffe wie Elphinstone und Daedalus stehen frei im Freiwasser, und an ihren Plateaus jagen Räuber, die am Küstenriff selten sind. Blauflossen-Makrelen patrouillieren dort in kleinen Gruppen an der Riffkante und treiben Schwarmfisch zusammen. An ihnen erkennst du, ob die Kante gerade läuft.
Weiter draußen über den Plateaus stehen Großaugen-Thune. Thunnus obesus hält sich in tieferem, kühlerem Wasser auf als die meisten Riffarten, weshalb du ihn eher am Rand der Sichtweite siehst als am Riff selbst. Schau ins Blaue statt aufs Riff. Wer den Tauchgang mit dem Blick auf die Korallen verbringt, übersieht ihn zuverlässig.
An Hammerhaien misst sich für viele, ob die Reise etwas getaugt hat. Die Chance darauf beschränkt sich auf wenige Riffe im Süden, im Wesentlichen Daedalus und die Brother Islands, und auf den Sommer: Bogenstirn-Hammerhaie sammeln sich dort etwa von Juni bis August zu großen Schwärmen. Wer im Spätherbst fährt, sieht stattdessen mit einiger Wahrscheinlichkeit Weißspitzen-Hochseehaie an Elphinstone. Dass du gar keinen Hai siehst, ist auch bei perfekter Planung normal.
Einen Überblick über die restlichen Reviere und ihre Erreichbarkeit findest du im Guide zu Ägyptens Tauchplätzen.
Tauchsafari oder Tagesausfahrt von Land?
Die Südriffe erreichst du praktisch nur per Tauchsafari. Alles nördlich davon geht auch von Land.
Erreichbarkeit | Tauchplätze | Was das bedeutet |
|---|---|---|
Nur per Tauchsafari | Daedalus, die Brother Islands, Rocky, Zabargad | für eine Tagesausfahrt zu weit draußen |
Als Tagesausfahrt vom Land | Ras Mohammed ab Sharm el-Sheikh, Elphinstone ab Marsa Alam, Careless Reef ab Hurghada | lange Bootsfahrten, sehr früher Start |
Direkt vom Ufer | Marsa Abu Dabbab, viele Hausriffe bei Marsa Alam | der eigentliche Vorteil Ägyptens für ruhige Tage |
An den Außenriffen tauchst du fast ausschließlich im Drifttauchgang, mit Signalboje und einem Sicherheitsstopp im Freiwasser. Beim Aufstieg ohne Referenz versetzt dich die Strömung, und zwischen Boje und Boot vergehen schnell ein paar Minuten. Wer das noch nie gemacht hat, sollte die ersten Tauchgänge einer Safari nicht am Plateau von Daedalus verbringen.
Die Thistlegorm ist ein Sonderfall. Sie wird ab Sharm el-Sheikh als lange Tagesausfahrt angeboten, das heißt: Abfahrt weit vor Sonnenaufgang und zwei Tauchgänge bei entsprechend viel Betrieb. Auf einer Tauchsafari liegst du dagegen über Nacht am Wrack und tauchst früh, bevor die Tagesboote ankommen. Derselbe Tauchplatz, und trotzdem zwei völlig verschiedene Tauchgänge.
Was kostet eine Tauchwoche im Roten Meer?
Ägypten ist eines der günstigsten erstklassigen Tauchziele der Welt, und der Preisabstand zu den Malediven oder den Philippinen ist groß. Die folgenden Zahlen sind Richtwerte, keine Festpreise.
Posten | Grober Rahmen | Anmerkung |
|---|---|---|
Tauchsafari, eine Woche | 700 bis 1.500 € pro Person | oft mit Vollpension und Tauchpaket |
Zehnerkarte an einer Tauchbasis | 200 bis 350 € | Ausrüstung meist extra |
Nationalpark- und Hafengebühren | wechselnd | werden häufig erst vor Ort kassiert |
Nitrox | Wochenpauschale üblich | setzt einen Nitrox-Schein voraus |
Bei den günstigsten Angeboten sind die Boote voll und die Routen fest. Wenn dir Platz an Deck und eine flexible Route wichtig sind, zahlst du dafür.
Häufige Fragen
Kann ich im Roten Meer als Anfänger tauchen? Ja, und es gehört zu den besten Zielen dafür. Hausriffe bei Marsa Alam und geschützte Buchten sind ab dem Open Water Diver machbar. Die Außenriffe und die Wracks verlangen mehr.
Brauche ich für die Thistlegorm einen Wrackspezialkurs? Von außen nicht. Für das Eindringen in die Laderäume solltest du einen haben, dazu Lampe und Leine, und du darfst den Grund nicht aufwirbeln. Viele Veranstalter verlangen zusätzlich eine Mindestzahl geloggter Tauchgänge und Erfahrung mit Strömung.
Wie kalt wird es im Winter wirklich? Rechne im Januar und Februar mit 21 bis 23 Grad Celsius im Wasser. Bei vier Tauchgängen täglich summiert sich das über die Woche.
Wann sind die Chancen auf Hammerhaie am höchsten? Im Sommer, etwa von Juni bis August, an Daedalus und den Brother Islands. Im Oktober und November stehen dort und an Elphinstone eher Hochseehaie. Garantien gibt es für beides nicht.
Lohnt sich eine Tauchsafari, wenn ich noch nie eine gemacht habe? Für den Süden ja, weil es keine Alternative gibt. Wenn du unsicher bist, ob dir das enge Leben an Bord liegt, fang mit einer Nordroute an. Nordrouten sind kürzer, bleiben küstennah, und du bist im Zweifel schneller wieder in Hafennähe.



