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Tauchsafari im Roten Meer: Routen, Saison und Kosten

Tauchsafari im Roten Meer: Routen, Saison und Kosten

Im Roten Meer entscheidest du dich nicht für ein Land, sondern für eine Route. Drei Grundmuster und Kombinationen daraus decken das ägyptische Angebot ab: die Nordroute zu den Wracks, die Offshore-Route zu Brother Islands, Daedalus und Elphinstone und der tiefe Süden ab Port Ghalib oder Hamata. Sie unterscheiden sich deutlich in der Saison, in den Zugangsvoraussetzungen und im Preis, und eine Woche reicht in der Regel nur für eines davon.

Welche Routen gibt es?

Route

Ablegehafen

Kerntauchplätze

Voraussetzung

Nord, Wracks und Riffe

Hurghada

Thistlegorm, Abu Nuhas, Ras Mohammed, Gubal

Open Water für die Riffe, Advanced Open Water für die Wracks

Brother Islands, Daedalus, Elphinstone

Hurghada oder Port Ghalib

die drei Offshore-Riffe, Numidia, Aida

Advanced Open Water und rund 50 Tauchgänge

Fury Shoals und St. John's

Hamata oder Port Ghalib

Sataya, Abu Galawa, St. John's Caves

ab Advanced Open Water

Rocky Island, Zabargad, Deep South

Port Ghalib

Habili Ali, Zabargad, Rocky Island

Advanced Open Water und Strömungserfahrung

Die Nordroute ist die bekannteste, weil auf ihr die Thistlegorm liegt. Der britische Frachter wurde am 6. Oktober 1941 von deutschen Bombern getroffen und steht heute in rund 30 Metern auf Grund, das Deck liegt bei 16 bis 18 Metern, mit Lastwagen, Motorrädern und Munition im Laderaum. Sie gilt als das meistbetauchte Wrack des Roten Meeres. Bei Abu Nuhas liegen vier Wracks nebeneinander an derselben Riffkante: Giannis D, Carnatic, Chrisoula K und Kimon M. Sie reichen von rund 4 Metern am Mast der Giannis D bis 32 Meter am Heck der Kimon M, die tiefsten Partien liegen zwischen 24 und 32 Metern.

Die Offshore-Route wird meist nur mit ihren Anfangsbuchstaben abgekürzt: BDE. Brothers und Daedalus liegen so weit draußen, rund 65 beziehungsweise 90 Kilometer vor der Küste, dass sie nur per Safariboot erreichbar sind, und werden über ein begrenztes Genehmigungssystem befahren. Elphinstone liegt dagegen nur rund 12 Kilometer vor Marsa Alam und wird auch von Tagesbooten angesteuert. Brother Islands, kurz die Brothers, bestehen aus Big und Little Brother. An Big Brother liegen zwei Wracks an verschiedenen Seiten der Insel: die Numidia von 1901 am Nordpunkt, von rund 10 Metern die Wand hinab bis über 80 Meter, und die Aida von 1957 an der Westseite, die erst in größerer Tiefe richtig beginnt. Details zu den Plätzen stehen im Brother-Islands-Guide.

Der Süden zerfällt in zwei sehr verschiedene Routen. Fury Shoals mit Sataya und Abu Galawa ist der geschützte, ruhige Teil. Habili Ali, Zabargad und Rocky Island sind dagegen strömungsstarke Offshore-Plätze mit regelmäßigen Hai-Begegnungen und keine Anfängerplätze.

Welche Route passt zu dir?

Die ehrliche Antwort hängt von zwei Fragen ab: Wie viele Tauchgänge hast du geloggt, und willst du Wracks oder Großfisch?

  • Unter 50 Tauchgänge, erste Tauchsafari: Nordroute. Die Plätze liegen geschützter, die Strömung ist überschaubar, und wenn ein Tauchgang schiefläuft, ist das Riff nah.

  • Wracks als Hauptgrund: Nordroute, ab Advanced Open Water. Thistlegorm und Abu Nuhas liegen beide unterhalb der Open-Water-Grenze von 18 Metern. Die Rosalie Moller steht auf 50 Metern mit dem Hauptdeck bei rund 35 und ist ein Tec- oder Deep-Tauchgang, den viele Nordrouten gar nicht im Programm haben.

  • Haie als Hauptgrund: BDE. Für Hai-Begegnungen ist das die stärkste der drei Routen.

  • Intaktes Riff bei wenig Bootsverkehr: Fury Shoals und St. John's, ab Advanced Open Water. Für Rocky Island und Zabargad kommt Strömungserfahrung dazu.

Die BDE-Route hat harte Zugangsvoraussetzungen, und die Anbieter setzen sie durch. Üblich sind Advanced Open Water, rund 50 geloggte Tauchgänge und eine eigene Signalboje mit Spule. Der Grund ist nicht Bürokratie: Die Riffe sind Steilwände ohne flaches Rückzugsgebiet, die Strömung kann drehen, und wenn dich das Wasser von der Wand wegträgt, bist du im offenen Meer. Dazu gehören Pfeife oder Drucklufthupe, Spiegel und idealerweise ein persönlicher Notsender, und du solltest die Boje aus dem Sicherheitsstopp heraus setzen können. Gebrieft werden dort Negativeinstieg, Gruppenzusammenhalt und die Aufnahme durch das Beiboot bei Strömung.

Wann fährt welche Route?

Route

Saison

Wasser (typisch)

Besonderheit

Nord, Wracks

ganzjährig

21 bis 29 °C

im Winter kühl und windig, dafür wenig Betrieb

BDE

etwa März bis Dezember, Hochsaison Mai bis Dezember

24 bis 29 °C

im Januar und Februar wetterbedingt kaum befahren

Tiefer Süden

ganzjährig, am besten März bis Mai und Oktober bis Dezember

24 bis 29 °C

Sommer sehr heiß

Für die Großfischsaison lohnt sich der genaue Blick, weil zwei Fenster gern verwechselt werden. Bogenstirn-Hammerhaie stehen vor allem am Nordplateau von Daedalus in großen Schwärmen, etwa von Mai oder Juni bis August. An beiden Brothers werden Fuchshaie an den Putzerstationen auf den Plateaus gemeldet, schwerpunktmäßig etwa von April bis Juli und am besten früh morgens, dazu ganzjährig Graue Riffhaie. Der Weißspitzen-Hochseehai, den fast alle Longimanus nennen, taucht dagegen im Spätherbst auf, ungefähr von Oktober bis Dezember, vor allem an Elphinstone und den Brothers. Wer im Juli wegen der Longimanus fährt, fährt in den falschen Monat.

Wenn Longimanus vor Ort sind, gelten Regeln, die dein Guide setzt und die du ernst nehmen solltest: kein Treiben oder Schnorcheln an der Oberfläche, Gruppe zusammenhalten, Aufstieg und Sicherheitsstopp an der Boje statt frei im Blauwasser. Die Tiere kommen nah und bleiben beharrlich.

Im Hochsommer wird es an Bord unangenehm heiß, im Januar und Februar brauchst du im Norden einen 7-Millimeter-Anzug oder einen Halbtrockenanzug. Fürs Klima an Bord sind April, Mai, Oktober und November die angenehmsten Monate, während die Tauchbedingungen im Wasser über die ganze genannte Saison tragen.

Was brauchst du an Erfahrung und Ausrüstung?

Über den Tauchschein hinaus gibt es drei Dinge, an denen es auf einer Tauchsafari im Roten Meer regelmäßig hakt.

Nitrox zuerst. Wer fünf bis sechs Tage lang drei bis vier Tauchgänge am Tag macht, kommt mit Luft kaum entspannt durch, und fast alle Boote bieten es als Wochenpaket an. Wichtig ist die maximale Einsatztiefe: Bei einem Sauerstoffpartialdruck von 1,4 bar liegt sie für EAN32 bei rund 33 Metern, und mehrere Plätze auf der BDE-Route gehen tiefer, wenn du dich treiben lässt. Analysiere jede Flasche selbst und rechne die Grenze aus, statt sie vom Boot zu übernehmen.

Dann die Rückreise. Es gilt eine Staffelung: mindestens 12 Stunden nach einem einzelnen Nullzeit-Tauchgang, mindestens 18 nach mehreren Tagen mit Wiederholungstauchgängen, deutlich mehr nach Tauchgängen mit Dekompressionsstopps. Viele Anbieter und Versicherer rechnen generell mit 24. Die Uhr läuft ab dem letzten Tauchgang, und dein Tauchcomputer zählt die Flugverbotszeit selbst mit. Der letzte Tauchgang liegt in der Regel am Vormittag des letzten vollen Bordtages, also rund 20 bis 24 Stunden vor dem Rückflug. Prüf trotzdem deine Flugzeit, denn bei Frühflügen ab Hurghada wird es knapp.

Und die Notfallkette. Von Daedalus, Rocky Island oder St. John's sind es je nach Position viele Stunden bis zur nächsten Druckkammer. Kammern liegen in Hurghada, Safaga, im Raum Marsa Alam und Port Ghalib sowie, für die Südrouten am nächsten, in Hamata. Frag vor der Buchung: Wie viel Sauerstoff ist an Bord und wer bedient ihn, wie lautet der Notfallplan, welche Kammer ist zuständig, gibt es Satellitentelefon und Notfunkbake. Eine Tauchunfallversicherung mit Kammerabdeckung verlangen inzwischen mehrere Anbieter ohnehin.

Ein Wort zur Bootswahl, das in Prospekten selten steht: Nach mehreren schweren Unfällen mit Safarischiffen im Roten Meer in den vergangenen Jahren haben die ägyptischen Behörden die Kontrollen verschärft. Frag nach Baujahr und letztem Refit, nach Rettungsinseln für die volle Personenzahl inklusive Crew samt Prüfdatum, nach Rettungswesten in jeder Kabine, nach Feuermelde- und Feuerlöschanlage statt bloßer Rauchmelder, nach Fluchtluken in den Unterdeckkabinen, nach einer Sicherheitseinweisung vor dem Ablegen und nach der gültigen Schiffszulassung. Ein seriöser Veranstalter beantwortet das ohne Umschweife.

Wie läuft eine Woche an Bord?

Der Tagesablauf ist auf fast allen ägyptischen Booten gleich und lässt wenig Spielraum.

Geweckt wird vor Sonnenaufgang, der erste Tauchgang läuft vor dem Frühstück. Danach folgen zwei weitere am Vormittag und am Nachmittag, oft dazu ein Nachttauchgang. Auf der BDE-Route allerdings kaum, weil an den Brothers weder Nachttauchgänge noch das Übernachten am Riff erlaubt sind. Zwischen den Tauchgängen wird gegessen und geschlafen, und die längeren Überfahrten legt die Crew in die Nacht.

So kommen in einer Woche 17 bis 22 Tauchgänge zusammen. Das ist der eigentliche Grund für eine Tauchsafari: Du tauchst in sechs Tagen mehr als bei zwei Wochen Landurlaub, und du erreichst Plätze, an die kein Tagesboot fährt. Der Preis dafür ist eine enge Kabine und ein Tagesablauf, den das Boot vorgibt.

Wenn du lieber von Land aus tauchst und die Wracks über Tagesausfahrten ansteuerst, findest du die Alternativen im Überblick zum Tauchen im Roten Meer und im Länderüberblick zum Tauchen in Ägypten.

Was siehst du unter Wasser?

Das Rote Meer ist ein Nebenmeer des Indischen Ozeans mit hohem Salzgehalt und vielen Arten, die nur dort vorkommen. Rund 13 Prozent der Fischarten gelten als endemisch, zusammen mit dem Golf von Aden etwa 14, darunter der Masken-Falterfisch und der Rotmeer-Fahnenbarsch.

An den Steilwänden der Offshore-Riffe wachsen Weichkorallen in einer Dichte, die den Fels stellenweise vollständig verdeckt. Sie stehen in der Strömung und filtern Plankton, weshalb sie dort besonders gut wachsen, wo sie am stärksten zieht. Darüber ziehen Füsiliere und Fahnenbarsche in Wolken, und an den Kanten jagen Große Barrakudas und Blauflossen-Stachelmakrelen.

Auf der Nordroute steht das Wrack im Vordergrund und das Riff daneben. Am Shark and Yolanda Reef vor Ras Mohammed sammeln sich etwa von Juni bis August Zweifleck-Schnapper zum Laichen, dazu stehen dort Barrakuda- und Fledermausfischschwärme. Der Platz wird meist als Drifttauchgang gefahren, und die Strömung kann kräftig sein. Eine Einordnung der einzelnen Plätze findest du im Guide zu den besten Tauchplätzen im Roten Meer.

Im Süden verschiebt sich das Bild noch einmal. Statt an Steilwänden im offenen Meer tauchst du dort in Riffgärten und flachen Lagunen, dazu durch Höhlen und Durchbrüche wie in St. John's Caves. Das ist Überkopfumgebung: nur mit Guide, mit Lampe, keine eigenmächtigen Durchgänge, und in den engen Passagen wirbelst du schnell Sediment auf. Sataya ist ein Delfinriff, an dem sich tagsüber Spinnerdelfine ausruhen. Anders als Sha'ab Samadai weiter nördlich, das mit Sperrzonen, ausgewiesenen Schnorchelbereichen und Bootskontingenten bewirtschaftet wird, gibt es für Sataya bislang kein durchgesetztes Zonierungssystem, nur einen Vorschlag und die allgemeinen Regeln des Wadi-el-Gemal-Schutzgebiets. Anfassen und Verfolgen sind verboten, und der Rest hängt an der Disziplin deines Anbieters. Frag danach, bevor du buchst.

Was kostet eine Tauchsafari im Roten Meer?

Grobe Spannen für eine Woche, ohne Flug:

Posten

Grobe Spanne

Nordroute, sieben Nächte, Standardboot

~750 bis 1.200 €

BDE-Route, sieben Nächte

~950 bis 1.600 €

Tiefer Süden oder Kombination, zehn Nächte

~1.400 bis 2.400 €

Nitrox-Paket für die Woche

~70 bis 130 €

Hafen- und Nationalparkgebühren

~90 bis 160 €

Ausrüstungsmiete komplett

~120 bis 200 €

Tauchunfallversicherung

~50 bis 120 € im Jahr

Dazu kommt das Visum für Ägypten, dessen Preis sich ändert. Die Gebühren sind der Posten, der Angebote unvergleichbar macht: Manche Anbieter weisen sie im Preis aus, andere kassieren sie an Bord in bar, häufig in Euro, und für die BDE-Route kommen die Genehmigungen für die Offshore-Riffe dazu. Die Sätze werden regelmäßig angepasst, frag den aktuellen Stand beim Anbieter ab. Dann schrumpfen scheinbar große Preisunterschiede oft auf wenige Prozent.

Trinkgeld für die Crew ist im Roten Meer üblich und wird meist am letzten Abend gesammelt. Je nach Anbieter sehr unterschiedlich, häufig genannt werden 80 bis 150 Euro pro Person und Woche oder 5 bis 10 Prozent des Reisepreises. Das ist kein versteckter Aufschlag, sondern ein realer Teil des Einkommens der Besatzung.

Häufige Fragen

Welche Route ist für die erste Tauchsafari geeignet? Die Nordroute ab Hurghada. Die Plätze liegen geschützter, und die Anbieter setzen keine 50 geloggten Tauchgänge voraus. Für die Wracks selbst brauchst du Advanced Open Water, weil sie unter 18 Metern liegen.

Wann siehst du im Roten Meer Hammerhaie? Vor allem am Nordplateau von Daedalus, etwa von Mai oder Juni bis August. Der Weißspitzen-Hochseehai kommt dagegen im Spätherbst, ungefähr von Oktober bis Dezember.

Brauchst du Nitrox auf einer Tauchsafari? Vorgeschrieben ist es nicht, sinnvoll bei drei bis vier Tauchgängen am Tag schon. Achte auf die maximale Einsatztiefe: bei EAN32 und 1,4 bar Sauerstoffpartialdruck rund 33 Meter.

Wie viele Tauchgänge kommen in einer Woche zusammen? Üblicherweise 17 bis 22, je nach Route und Anzahl der Nachttauchgänge. Auf der BDE-Route eher am unteren Ende, weil an den Brothers keine Nachttauchgänge erlaubt sind.

Kannst du im Winter eine Tauchsafari im Roten Meer machen? Auf der Nordroute mit 21 bis 23 °C und im Süden mit 24 bis 26 °C ja, mit entsprechend dickem Anzug. Die BDE-Route wird im Januar und Februar wetterbedingt kaum angefahren.

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