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Tauchen in Ägypten: Von Sharm bis Marsa Alam

Tauchen in Ägypten: Von Sharm bis Marsa Alam

Nach Ägypten haben deutschsprachige Taucher die kürzeste Anreise zu warmem Wasser und intakten Riffen, und die Wahl der Region entscheidet mehr über den Urlaub als die Wahl der Tauchbasis. Der Sinai im Norden lebt von Wracks und Steilwänden, Marsa Alam im Süden von Hausriffen und Hochseeriffen. Getaucht wird das ganze Jahr, nur Wassertemperatur und Haisaison verschieben sich.

Wo in Ägypten solltest du tauchen?

Das hängt davon ab, ob du Wracks, Großfisch oder ein Hausriff vor der Tür willst.

Region

Flughafen

Bekannt für

Niveau

Sharm el-Sheikh (Sinai)

SSH

Ras Mohammed, Tiran, SS Thistlegorm

mittleres Niveau, Strömung üblich

Dahab (Sinai)

SSH

Ufertauchgänge, Canyon, Blue Hole

Ufer ab Open Water; Canyon und Blue Hole nur mit Erfahrung

Hurghada / El Gouna

HRG

Wracks bei Abu Nuhas, Giftun-Inseln

mittleres Niveau

Marsa Alam

RMF

Hausriffe, Elphinstone, Dugongs

Hausriff ab Open Water, Elphinstone hoch

Süden per Tauchsafari

HRG / RMF

Brother Islands, Daedalus, St. John's

Fortgeschrittene

Der Sinai eignet sich, wenn du in einer Woche viel Abwechslung willst. Die Thistlegorm wurde im Oktober 1941 bombardiert und liegt seither mit ihrer Ladung an Bord: Bedford-Lastwagen und BSA-Motorräder, Gewehre, dazu zwei Dampfloks, die beim Untergang neben das Wrack geschleudert wurden. Ras Mohammed liegt vor der Südspitze, wo Shark Reef und Yolanda Reef zusammenlaufen. Am Yolanda Reef liegt bis heute die Ladung des 1980 gesunkenen Frachters verstreut: Sanitärkeramik und Badewannen auf 20 Metern.

Marsa Alam ist die ruhigere Wahl. Viele Anlagen haben ein eigenes Hausriff, du kommst also ohne Boot ins Wasser, und die Region ist Ausgangspunkt für Tagesausfahrten und Safaris in den Süden.

Wann ist die beste Reisezeit zum Tauchen in Ägypten?

Ganzjährig, mit einem klaren Unterschied zwischen Sommer und Winter.

Zeitraum

Wasser (typisch)

Anzug

Lohnt sich für

Dezember bis März

21 bis 24 °C

5 mm oder 7 mm

Wracks, wenige Boote, günstige Preise

April bis Mai

24 bis 26 °C

5 mm

angenehme Übergangszeit

Juni bis September

27 bis 30 °C

3 mm

Hammerhaie an den Südriffen

Oktober bis November

25 bis 27 °C

3 mm oder 5 mm

Hochseehaie an den Südriffen

Der Süden ist wärmer als der Sinai, im Sommer um ein bis zwei Grad, im Winter eher um zwei bis vier. Das ist der Unterschied zwischen 5 mm und 7 mm im Februar. Die Sicht liegt meist zwischen 20 und 30 Metern und ist im Winter oft am besten. Wann an welchem Riff welche Haie stehen, steht ausführlich im Überblick zum Roten Meer.

Welche Erfahrung verlangen die einzelnen Regionen?

Je weiter du nach Süden und auf die freistehenden Riffe hinausfährst, desto mehr. Wer gerade seinen Open-Water-Schein gemacht hat, ist in Dahab oder an einem Hausriff in Marsa Alam gut aufgehoben, an Elphinstone oder Daedalus nicht.

  • Ufernah und geschützt: Dahab, Hausriffe in Marsa Alam, Giftun bei Hurghada. Wenig Strömung, Einstieg vom Ufer oder kurze Bootsfahrt.

  • Mittleres Niveau: Ras Mohammed und Tiran laufen meist als Drifttauchgang mit Strömung. Die Wracks bei Abu Nuhas, also Giannis D, Carnatic, Chrisoula K und Kimon M, werden dagegen am Mooring getaucht und liegen zwischen 4 und 27 Metern. Beides bleibt im Rahmen des Sporttauchens.

  • Fortgeschritten: Elphinstone, Brother Islands, Daedalus. Freistehende Riffe im Freiwasser, teils kräftige Strömung, Negativeinstieg üblich. Die meisten Safarianbieter verlangen hier Advanced Open Water und rund 50 geloggte Tauchgänge, manche mehr.

Drei Stellen, an denen es sich lohnt, genau hinzusehen.

Die Thistlegorm liegt auf etwa 30 Metern am Grund. Der begrenzende Faktor dort ist nicht deine Luft, sondern die Nullzeit: Auf 30 Metern mit Pressluft bleiben dir rund 20 Minuten, und viele Taucher rechnen mit dem Luftvorrat statt mit dem Dekompressionsmodell. Nitrox verschafft dir hier spürbar mehr Grundzeit. Dazu kommt, dass die Laderäume eine Überkopfumgebung sind, du gehst dort mit Lampe und Tauchguide hinein und nicht auf eigene Faust. Die Strömung am Wrack ist häufig kräftig, der Abstieg läuft in der Regel an der Leine.

Der Canyon in Dahab wird oft im selben Atemzug mit den einfachen Ufertauchgängen genannt, ist aber keiner. Der Schacht beginnt bei etwa 20 Metern und reicht deutlich tiefer, und er ist teilweise überdeckt. Die meisten Tauchbasen vor Ort verlangen dafür Advanced Open Water.

Der Bogen im Blue Hole liegt bei rund 55 Metern. Das ist kein Sporttauchgang, sondern ein technischer Tauchgang mit einer traurigen Unfallbilanz. Das umliegende Riff lässt sich davon unabhängig flach betauchen.

Was siehst du in ägyptischen Riffen?

Vor allem Riff, in einem Zustand, den viele andere warme Reiseziele nicht mehr bieten. Die Hartkorallen stehen dicht an dicht, und in den strömungsexponierten Bereichen sitzen Weichkorallen in kräftigem Rot und Violett, die sich bei Strömung vollsaugen und aufstellen. Dieser Bewuchs beginnt oft schon bei zehn Metern, du musst also nicht tief runter, um etwas zu sehen.

Dazu das übliche Riffvolk: Anemonenfische, Rotfeuerfische, Muränen, Napoleons und Schildkröten. An den Putzstationen, an denen sich auch größere Fische anstellen und stillhalten, arbeiten Putzerlippfische.

Bei den Haien lohnt es sich, genau zu unterscheiden, weil die Reiseveranstalter das oft nicht tun. Schwärme von Hammerhaien stehen im Sommer vor allem am Plateau von Daedalus, seltener an Elphinstone, etwa von Juni bis August. Die Brother Islands sind dagegen eher für Fuchshaie bekannt, und die Hochseehaie ziehen dort von Oktober bis in den Januar durch. Gesehen hat man sie damit noch lange nicht.

Rund um Marsa Alam gibt es zwei Besonderheiten. In Abu Dabbab weiden gelegentlich Dugongs im Seegras, und vor Samadai ruhen tagsüber Spinnerdelfine in der Lagune. Beide Gebiete sind reguliert, und der Zugang wird kontingentiert.

Was kostet eine Tauchwoche in Ägypten?

Ägypten gehört zu den günstigsten warmen Tauchzielen ab Mitteleuropa. Grobe Orientierung, ohne Flug und stark abhängig von Saison und Anbieter:

Posten

Grobe Spanne

Zehnerkarte (10 Tauchgänge), landbasiert

~250 bis 400 €

Hotel mit Halbpension, eine Woche

~350 bis 900 €

Tauchsafari, eine Woche mit Vollpension

~900 bis 1.700 €

Nitrox-Zuschlag pro Woche

~50 bis 100 €

Ausrüstungsleihe pro Woche

~80 bis 150 €

Dazu kommen Nationalparkgebühren und Hafensteuern, die je nach Region und Route anfallen. Diese Sätze und die Zugangsregeln für Abu Dabbab und Samadai werden regelmäßig angepasst, lass dir den aktuellen Stand vom Veranstalter bestätigen.

Ein Preisunterschied, den viele unterschätzen: Die Nebensaison im Hochsommer ist an Land brütend heiß, dafür deutlich billiger, und unter Wasser ist genau dann die beste Zeit für die Südriffe.

Anreise und Visum: was du vorab klären solltest

Direktflüge gehen ab vielen Flughäfen im deutschsprachigen Raum nach Hurghada, Sharm el-Sheikh und Marsa Alam, die Flugzeit liegt bei etwa vier bis fünf Stunden. Für die Einreise brauchst du ein Visum, das üblicherweise als E-Visum vorab oder bei Ankunft ausgestellt wird.

Daneben gibt es für den Südsinai einen kostenlosen Einreisestempel, die sogenannte Sinai-Only-Regelung. Sie gilt rund zwei Wochen für Sharm el-Sheikh und Dahab, dazu Nuweiba und Taba und berechtigt nicht zum Besuch des Nationalparks Ras Mohammed. Dafür brauchst du das reguläre Visum. Wie streng das bei bootsgestützten Tauchgängen ab Sharm gehandhabt wird, unterscheidet sich, deshalb gehört die Frage auf deine Buchungsbestätigung.

Vier praktische Dinge:

  • Nicht fliegen nach dem Tauchen: Zwischen dem letzten Tauchgang und dem Abflug gehören mindestens 18 Stunden, nach mehreren Tagen mit vier Tauchgängen eher 24. Bei einer Woche mit täglichem Tauchbetrieb heißt das: Der letzte Tauchtag endet einen Tag vor dem Rückflug.

  • Druckkammern gibt es unter anderem in Sharm el-Sheikh und Hurghada sowie bei Marsa Alam. Eine Tauchunfallversicherung solltest du trotzdem haben.

  • Nitrox ist fast überall verfügbar und auf Safaris oft im Paketpreis enthalten.

  • Steckdosen und Trinkwasser: Steckdosen wie in Mitteleuropa, Leitungswasser trinkst du nicht.

Häufige Fragen

Reicht der Open Water Diver für Ägypten? Für Dahabs Ufertauchgänge, die Hausriffe in Marsa Alam und viele Tagesausfahrten ab Hurghada ja. Für die freistehenden Südriffe und die meisten Safaris verlangen Anbieter Advanced Open Water und rund 50 geloggte Tauchgänge.

Wann sieht man in Ägypten Hammerhaie? Schwärme stehen typischerweise im Sommer am Plateau von Daedalus, etwa von Juni bis August. Die Hochseehaie kommen später, meist von Oktober bis Januar, und werden häufiger an den Brother Islands gemeldet. Beides ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit, keine Garantie.

Ist Tauchsafari oder Hotel besser? Eine Safari bringt dich an Riffe, die von Land nicht erreichbar sind, und du tauchst drei bis vier Mal am Tag. Ein Hotel mit Hausriff ist entspannter und meist günstiger, außerdem familientauglicher. Für den ersten Ägyptenurlaub ist ein landbasierter Urlaub die sichere Wahl.

Wie kalt wird es im Winter wirklich? Im Sinai kann das Wasser im Februar auf etwa 21 Grad Celsius fallen. Mit einem 5-mm-Anzug plus Kopfhaube ist das machbar, viele wechseln aber auf 7 mm, wenn sie vier Tauchgänge am Tag machen.

Lohnt sich Ägypten für Unterwasserfotografie? Ja, besonders im Winter, wenn die Sicht am besten ist. Weitwinkel an den Steilwänden und Wracks, Makro an den Hausriffen. Die Weichkorallen brauchen Licht von der Seite, sonst verlieren sie im Bild ihre Farbe.

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